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EssayWebsite und Sichtbarkeit5 MinStand

Warum so viele neue Websites gleich aussehen

Wenn dir in letzter Zeit viele neue Websites irgendwie gleich vorkommen, bildest du dir das nicht ein. Das Muster ist beschrieben, die Ursache ziemlich unspektakulär, und die spannendere Frage ist eine ganz andere.

Für: Betriebe, die eine neue Website planen oder gerade eine angeboten bekommen · 7 Quellen: 2 belegt, 4 behauptet, 1 widerlegt · Quellen

In einem Satz

Wo deine Website Vertrauen in Menschen verspricht, bei Team, Referenzen und Gesichtern, braucht sie echtes Material.

Wenn du dir in den letzten Monaten ein paar neue Websites angeschaut hast, kam es dir vielleicht so vor, als kämen sie alle aus derselben Werkstatt. Das bildest du dir nicht ein. Das Muster ist inzwischen so oft beschrieben worden, dass man es fast als Bauplan aufschreiben kann. Oben ein großer Einstieg mit einem Satz und zwei Knöpfen, darunter eine Reihe Kundenlogos, dann drei Spalten mit je einem Vorteil, dann Kundenstimmen, Preise, Fragen und Antworten. Im Hintergrund ein Verlauf von Violett nach Blau, gern mit Milchglas darüber, als Schrift Inter, Poppins oder Manrope, überall dieselben großzügig abgerundeten Ecken und irgendwo ein schwebendes Bild einer Software-Oberfläche, die es so gar nicht gibt. So steht es ziemlich genau in einem Entwicklerartikel auf dev.to.

Die Erklärung ist ziemlich unspektakulär

Ganz genau wissen das nur die Firmen, die die Modelle trainieren, aber die naheliegende Erklärung geht so. Die KI-Werkzeuge, mit denen man heute Websites bauen lässt, haben aus riesigen Mengen bestehender Seiten gelernt. Bittet man so ein Werkzeug um eine Website, gibt es zurück, was in seinen Trainingsdaten am häufigsten vorkam, im Grunde also den Mittelwert. Welche Seiten das waren, legen die Firmen nicht offen.

Dass das Problem echt ist, sieht man an einem kleinen Detail. Auf GitHub liegt eine Anleitung für KI-Assistenten namens „avoid-ai-design“, die nur dafür da ist, diese Muster wieder aus KI-erzeugtem Code zu entfernen. In der höchsten Stufe ihrer Liste stehen der Verlauf von Violett nach Blau und der große Einstieg mit drei Karten darunter, Inter als Schrift steht auch drauf. Wenn jemand ein Gegenmittel baut, ist die Krankheit wohl echt.

Der Design-Engineer Stefan Imhoff hat sechs Wochen lang seine eigene Website mit KI-Agenten gebaut und ausführlich darüber geschrieben. Die KI-Gestaltungswerkzeuge lieferten ihm trotz Designsystem und Farbpalette „bland, generic designs“, also fade Standardware. Besser wurde es erst, als er seine Gestaltungsregeln in Dateien aufgeschrieben hatte, auf die sich jede weitere Aufgabe beziehen musste, und als er die Ergebnisse immer wieder prüfen ließ. Von allein passiert da also nichts.

Kostet der gleiche Look Vertrauen?

Die schnelle Antwort wäre ja, und die ist zu grob. Im Juli 2026 ist in der Fachzeitschrift Frontiers in Psychology eine Studie von Xiaolian Cheng und Inwoo Nam erschienen, ein kontrolliertes Experiment mit 200 Leuten aus den USA. Gezeigt wurden Produktfotos mit einem Model, mal mit einem Kleid, mal mit einem T-Shirt, und das Foto war jeweils dasselbe, nur stand einmal dabei, das Model sei mit KI erzeugt, und einmal, es sei ein Mensch. Mit dem KI-Hinweis fanden die Leute das Ganze unheimlicher, schätzten das Risiko höher ein und konnten sich weniger damit identifizieren, allerdings nur beim Kleid. Beim schlichten T-Shirt gab es keinen messbaren Unterschied. Bei Dingen, über die man sich selbst ausdrückt, wirkt das Etikett also, bei rein praktischen nicht.

Auf die Website eines Betriebs übertragen (und das ist meine Übertragung, nicht die der Studie) heißt das ungefähr Folgendes. Leistungen, Öffnungszeiten, Anfahrt und Kontakt sind praktisch, da ist es den meisten egal, ob ein Werkzeug mitgeholfen hat. Team, Referenzen, Gesichter und „Über uns“ sind etwas anderes. Da geht es um Vertrauen in Menschen, und da fällt es auf, wenn alles beliebig aussieht.

Eine Einschränkung gehört dazu. Die Studie misst, wie Leute etwas wahrnehmen, nicht, ob sie am Ende weniger kaufen, und eine Studie, die das für Websites misst, ist mir nicht begegnet. Wer dir erzählt, echte Fotos brächten nachweislich mehr Aufträge, sagt also mehr, als die Daten hergeben.

Eine Zahl, die es nicht gibt

Beim Recherchieren bin ich auf einen Satz gestoßen, der seit Monaten durch Blogs und Trendartikel wandert, Adobe habe 30 Prozent mehr Suchanfragen nach handgezeichneten Design-Elementen gemessen. Der hätte wunderbar in diesen Text gepasst. Also habe ich den Trendbericht von Adobe prüfen lassen, auf Englisch, auf Französisch und in der britischen Fassung. Die Zahl steht da nicht drin. Der Bericht von 2024 nennt vier Trends, keiner davon heißt „handgezeichnet“, und die einzige 30 im ganzen Bericht betrifft junge Leute in den USA, die ihre Bildschirmzeit begrenzen. Woher die Zahl kommt, weiß ich nicht, belegen kann ich sie jedenfalls nicht.

Das Unangenehme daran ist, dass mir die Richtung eigentlich gefällt. Ich arbeite selbst mit echten Fotos und eigenem Material, privat fotografiere ich sogar noch auf Film. Aber mit einer Zahl, die es nicht gibt, kann ich halt nicht argumentieren.

Bleibt die Frage, ob KI das Handgemachte nicht einfach nachmachen kann. Bei Bildern klappt das inzwischen ziemlich gut, Aquarell oder Siebdruck bekommen die Werkzeuge überzeugend hin, mit den üblichen Fehlern im Detail. Bei Schriften für unser Alphabet bisher nicht. Der Schrift-Entwickler Simon Cozens hat im Juni 2026 den Stand zusammengetragen, für chinesische Schriftzeichen funktioniere das schon, die Modelle für lateinische Schrift seien dagegen „pretty woeful“, also ziemlich jämmerlich. Die Schriftgießerei Blaze Type sieht KI eher als Hilfe für Routinearbeit und nennt Kurven ohne Spannung und eine nicht eingehaltene x-Höhe als typische Fehler. Wer eine glaubwürdig handgemachte Schrift will, lizenziert sie also bei einer Schriftgießerei oder lässt eine echte Handschrift digitalisieren, bei einem inhabergeführten Betrieb vielleicht die der Chefin. Die baut so schnell niemand nach.

Ob danach noch jemand entschieden hat

Ob bei einer Website KI im Spiel war, finde ich ehrlich gesagt gar nicht mehr so spannend. Bei dieser Seite war sie es auch, KI-Agenten haben sie nach meinen Vorgaben gebaut, und recherchiert wurde ebenfalls mit KI. Spannender ist, ob danach noch jemand entschieden hat, welche Farbe, welche Schrift, welches Foto, welcher Satz, und warum. Das sieht man. Nicht immer auf den ersten Blick, aber meistens auf den zweiten.

Wenn bei dir eine neue Seite ansteht und du für Team und Betrieb echte Fotos statt Stockfotos haben willst, lass uns darüber reden. Was ich da mache, steht unter Website, Google und Bilder.

Wo ich nachgesehen habe

7 Quellen: 2 belegt, 4 behauptet, 1 widerlegt · Was die Belegstufen heißen

  1. Google Developer Group auf dev.to, „Why AI Websites All Look the Same“

    behauptet

    Beschreibung des Musters durch Entwickler, keine Messung

  2. avoid-ai-design, Anleitung für Claude Code auf GitHub

    belegt

    existiert, Musterliste nachlesbar

  3. Stefan Imhoff, „A Design Engineer's Guide to Agentic Coding“

    behauptet

    Erfahrungsbericht eines Praktikers, keine Messung

  4. Cheng, Nam: Understanding the influence of AI labels on consumer psychology, Frontiers in Psychology 17 (2026)

    belegt

    Experiment, n = 200, USA; misst Wahrnehmung, nicht Kaufverhalten

  5. Adobe Stock, Creative Trends 2024 (englische Fassung; britische und französische ebenfalls geprüft)

    widerlegt

    die kursierende Zahl „30 % mehr Suchen nach Handgezeichnetem“ steht nicht darin

  6. Simon Cozens, „The State of AI Font Generation“, Juni 2026

    behauptet

    Fachurteil eines Schrift-Entwicklers

  7. Blaze Type, „Designing Fonts with AI“

    behauptet

    Einschätzung einer Schriftgießerei

Wie dieser Text entstanden ist

Eine KI (Claude) hat die Quellen gesucht, geöffnet und zusammengefasst und diesen Text in meinem Ton geschrieben. Den Adobe-Bericht hat sie in drei Sprachfassungen samt der Zahlen in den Grafiken durchsucht. Die Website, auf der du das liest, haben KI-Agenten nach meinen Vorgaben gebaut.

Über den Autor

Ich bin Till Heidrich aus Tostedt, habe Geschichte und Politik studiert und verfolge Zahlen über KI und Digitales bis zum Original. Die Werkzeuge, über die ich in der Werkstatt schreibe, betreibe ich selbst.

Wenn du einen Betrieb führst: Hier steht, was ich übernehme.

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