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Nachgeprüft · Folge 3

KI im Betrieb5 Min

Nutzt der Betrieb nebenan schon KI? Drei Zahlen, drei Antworten

Kursiert

Kursierende Behauptung, so nicht haltbar: „Jedes zweite Unternehmen hält die Technologie trotzdem für irrelevant.“

Urteil:Nicht auffindbar

4 Prozent, 84 Prozent, 21 Prozent. Alle drei Zahlen zu KI in deutschen Betrieben stimmen, und trotzdem erzählen sie ganz verschiedene Geschichten. Es kommt darauf an, wen man gefragt hat.

Für: Inhaberinnen und Inhaber von Handwerksbetrieben, Salons, Praxen und kleinen Büros · 4 Quellen: 3 belegt, 1 behauptet · Quellen

In einem Satz

Bevor du eine Umfrage zu KI weitererzählst, schau nach, ab wie vielen Beschäftigten gefragt wurde und in welchem Jahr.

Im Juni lief im Intro eines Fach-Podcasts über KI und Arbeit ein Satz, der inzwischen auf meiner Liste der Zahlen steht, die ich so nicht weitergebe: „Jedes zweite Unternehmen hält die Technologie trotzdem für irrelevant.“ Gemeint ist KI. Die Folge habe ich für meine Quellenauswertung automatisch abschreiben lassen, weil es vom Sender keine Textfassung gibt, die Stelle selbst angehört habe ich nicht.

Klingt erst mal plausibel. Ich habe drei Erhebungen dazu aufmachen lassen, und in keiner steht jedes zweite. Dafür stehen da drei Zahlen, die alle stimmen und auf den ersten Blick überhaupt nicht zusammenpassen.

Drei Zahlen, und alle drei stimmen

Die erste kommt vom Digitalverband Bitkom, Pressemitteilung vom 14. September 2026: „Nur noch 4 Prozent sagen, KI sei für sie kein Thema, nach 17 Prozent im Vorjahr und 41 Prozent vor zwei Jahren.“ Erstmals setzen mit 57 Prozent mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen KI ein. Gefragt wurden 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten, telefonisch, im Sommer 2026. Im Juni, als das Intro lief, war die aktuelle Bitkom-Zahl also 17 Prozent, und auch die ist weit weg von der Hälfte.

Die zweite kommt ebenfalls von Bitkom, aus dem Studienbericht „Digitalisierung des Handwerks“. Befragt wurden 504 Handwerksbetriebe ab einem Beschäftigten, im Sommer 2025, und das Ergebnis klingt nach einem anderen Land: „84 Prozent geben an, dass KI in ihrem Betrieb kein Thema ist.“ 4 Prozent nutzen KI, 9 Prozent planen es (auf derselben Seite steht im Text übrigens einmal 85 statt 84 Prozent, die Grafik sagt 84). Für das Handwerk war „jedes zweite“ also nicht zu hoch, sondern deutlich zu niedrig.

Die dritte kommt vom IAB, dem Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit. Laut Kurzbericht 8/2026 vom 5. Mai 2026 nutzten 2025 knapp 25 Prozent aller Betriebe generative KI, 2023 waren es noch 5 Prozent. „Unter den Betrieben mit bis zu 9 Beschäftigten liegt der entsprechende Anteil dagegen bei 21 Prozent“, bei 200 und mehr Beschäftigten sind es 48 Prozent. Grundlage ist das IAB-Betriebspanel, eine jährliche Befragung von rund 15.000 Betrieben, hochgerechnet auf alle.

Der Unterschied liegt darin, wen man gefragt hat

Bitkom, alle Branchen Bitkom, Handwerk IAB-Betriebspanel
Wer gefragt wurde 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten 504 Handwerksbetriebe ab 1 Beschäftigtem, die Geschäftsführung Betriebe ab 1 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, hochgerechnet
Was gefragt wurde ob KI im Einsatz ist oder kein Thema ob KI im Einsatz ist oder kein Thema ob generative KI genutzt wird
Wann Sommer 2026 Sommer 2025 Juli bis November 2025
Ergebnis 4 % kein Thema, 57 % nutzen 84 % kein Thema, 4 % nutzen 21 % bei bis zu 9 Beschäftigten, knapp 25 % insgesamt

Der größte Unterschied steckt in der ersten Zeile. Bitkom fängt bei 20 Beschäftigten an, im Handwerksbericht zählt schon der Betrieb mit einem einzigen Beschäftigten mit. Dazu kommt das Jahr, und bei diesem Tempo ist ein Jahr eine Menge, bei Bitkom ist „kein Thema“ in zwei Jahren von 41 auf 4 Prozent gefallen. Warum kleine Betriebe beim IAB so viel häufiger generative KI nutzen als Handwerksbetriebe bei Bitkom, kann ich aus den Berichten nicht sauber ablesen. Ein Teil dürfte an der Branche liegen, das IAB schreibt selbst, dass die Technologie besonders häufig in wissensintensiven Dienstleistungen wie Information und Kommunikation oder im Finanz- und Versicherungswesen eingesetzt wird. Wie groß dieser Teil ist, weiß ich nicht.

Der für mich wichtigste Satz steht beim IAB im Kasten zur Methode auf Seite 2: „Weil Beschäftigte auch ohne Wissen des Betriebs KI nutzen können“, markiere die Erhebung „eher eine Untergrenze“. Im Handwerksbericht hat übrigens die Geschäftsführung geantwortet. Wenn dort 84 Prozent sagen, KI sei kein Thema, heißt das erst mal nur, dass die Chefin oder der Chef keins sieht.

Fast wäre mir derselbe Fehler passiert

In meinem eigenen Vorrat lag schon der Kernsatz für einen Beitrag, der den Satz aus dem Podcast mit der Bitkom-Zahl geraderücken sollte, gedacht für Betriebe wie die, für die ich arbeite. „Nur noch 4 Prozent“, schön knapp. Am 9. Oktober hat ein zweiter KI-Agent, den ich die Arbeit des ersten gegenprüfen lasse, angemerkt, dass die 4 Prozent für Firmen ab 20 Beschäftigten gelten und im Handwerk 2025 noch 84 Prozent KI für kein Thema hielten. Ich hätte also eine Zahl ohne Original mit einer falsch übertragenen Zahl korrigiert, und das ausgerechnet in einem Beitrag über wandernde Zahlen. Der Kernsatz ist inzwischen korrigiert.

Mein Kernsatz wäre dasselbe Muster gewesen wie in Folge 1, wo ein Gesetz für Online-Verträge auf einmal für jede Website gelten sollte, und wie in Folge 2, wo aus Arbeitsstunden in den USA plötzlich Jobs wurden. Das Original stimmt, verloren geht unterwegs, wofür oder für wen es gilt.

Was du daraus mitnimmst

Bei jeder Umfrage zu KI würde ich zuerst nachsehen, ab wie vielen Beschäftigten gefragt wurde und in welchem Jahr. Bei den drei Erhebungen hier steht das bei Bitkom im Hinweis zur Methodik am Ende der Mitteilung, im Handwerksbericht auf der Methodikseite und beim IAB in einem Kasten.

Ernster finde ich die Untergrenze. Wenn selbst das IAB sagt, dass Betriebe nicht alles mitbekommen, dann arbeitet in deinem Betrieb womöglich schon jemand mit KI, ohne dass du es weißt. Dann ist die spannendere Frage, wer damit arbeitet und welche Kundendaten dabei in fremde Programme gehen.

Genau das schaue ich mir beim Nachsehen als Erstes an, mit einem schriftlichen Ergebnis und ruhig auch mit dem Ergebnis, dass du nichts ändern musst. Wer erst mal allein sortieren will, fängt mit der Selbsteinschätzung an, und für alles andere gibt es das Telefon: 0157 73953819.

Zitierfähige Fassung

Bei Unternehmen ab 20 Beschäftigten sagten laut Bitkom im Sommer 2026 nur noch 4 %, KI sei für sie kein Thema. Im Handwerk sagten das im Sommer 2025 noch 84 % der Betriebe (Bitkom-Studienbericht Handwerk). Unter allen Betrieben mit bis zu neun Beschäftigten nutzten 2025 laut IAB 21 % generative KI, nach Angabe des IAB eher eine Untergrenze.

Zum Zitieren den Satz markieren und kopieren.

Wo ich nachgesehen habe

4 Quellen: 3 belegt, 1 behauptet · Was die Belegstufen heißen

  1. Bitkom, Pressemitteilung „Erstmals nutzt Mehrheit der Unternehmen KI“, 14.09.2026

    belegt

    603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten, telefonisch, KW 28 bis 33/2026; 4 % „kein Thema“ (2025: 17 %, 2024: 41 %), 57 % setzen KI ein

  2. Bitkom, Studienbericht „Digitalisierung des Handwerks“, Studie 2025 (DOI 10.64022/2025-digitalisierung-handwerk)

    belegt

    504 Handwerksunternehmen ab 1 Beschäftigtem, befragt wurde die Geschäftsführung, KW 23 bis 29/2025; S. 22: 84 % „kein Thema“, 4 % nutzen KI, 9 % planen; im Text derselben Seite einmal 85 %

  3. IAB-Kurzbericht 8/2026, Friedrich und Kagerl, „Jeder vierte Betrieb nutzt mittlerweile generative KI“, 05.05.2026

    belegt

    IAB-Betriebspanel, befragt 01.07. bis 02.11.2025, hochgerechnet; knapp 25 % aller Betriebe, 21 % bei bis zu 9 Beschäftigten, 48 % ab 200; nach eigener Angabe eher eine Untergrenze

  4. Intro eines Fach-Podcasts über KI und Arbeit, Juni 2026

    behauptet

    in Tills Quellenauswertung dokumentiert (eigene automatische Abschrift ohne Sprechertrennung); Sendung bewusst nicht genannt

Was ich nicht geprüft habe: Das Podcast-Intro habe ich nicht selbst angehört, ich kenne es aus meiner automatischen Abschrift. Woher die Zahl im Intro stammt, habe ich nicht herausgefunden. Ob es eine neuere Handwerkszahl als die von 2025 gibt, habe ich nicht gesucht. Die IAB-Werte für 10 bis 49 und 50 bis 199 Beschäftigte stehen nur in einer Grafik, die habe ich nicht abgelesen. Wer bei der Bitkom-Umfrage 2026 am Telefon geantwortet hat, steht in der Pressemitteilung nicht.

Wie dieser Text entstanden ist

Das Podcast-Intro haben meine KI-Agenten mit einem Spracherkennungsmodell abgeschrieben, angehört habe ich die Stelle nicht. Den Fehler in meinem eigenen Vorrat hat am 9. Oktober 2026 ein zweiter KI-Agent bei der Gegenprüfung gefunden. Für diesen Text hat eine KI (Claude) die Bitkom-Pressemitteilung, den Bitkom-Studienbericht Handwerk und den IAB-Kurzbericht geöffnet, die Zahlen mit Seitenangabe herausgesucht und den Text in meinem Ton geschrieben.

Über den Autor

Ich bin Till Heidrich aus Tostedt, habe Geschichte und Politik studiert und verfolge Zahlen über KI und Digitales bis zum Original. Die Werkzeuge, über die ich in der Werkstatt schreibe, betreibe ich selbst.

Wenn du einen Betrieb führst: Hier steht, was ich übernehme.

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