Zum Hauptinhalt springen

// Magazin · 23. April 2026 · Handwerk

Handwerker-Software 2026: Wer bietet was, und worauf Sie bei der Auswahl achten

Wer ist im Markt der Handwerker-Software 2026 unterwegs — und worauf Sie bei der Auswahl achten sollten, wenn Sie nicht nur das Marketing der Anbieter hören wollen.

Wer 2026 als Handwerksbetrieb eine neue Software auswählen will, hat ein Problem: zu viele Anbieter, zu viel Marketing, zu wenig unabhängige Information. Hier ist eine ehrliche Übersicht. Ohne Affiliate-Provision, ohne Pro-und-Contra-Listen, die nur die eigenen Stärken loben.

Drei Anbieter-Generationen im Markt

Klassische Anbieter (im Markt seit 20+ Jahren): Streit V.1, OPTIMUS (Lexware-Gruppe), Label, ProCAD. Vollständige ERPs für den Mittelstand, oft mit eigener Hardware-Anbindung. Stabile Grundlage, oft etwas in die Jahre gekommen bei Mobile und Cloud-Sync.

Moderne Cloud-Anbieter (2015–2020 entstanden): ToolTime, plancraft. Mobile-first, gute UX, monatliche Lizenz statt großer Anschaffung. Kleinerer Funktions-Umfang als die klassischen ERPs, dafür schneller einzuführen.

Open-Source-Optionen: Twenty CRM, EspoCRM, Kombinationen aus mehreren Open-Source-Tools. Volle Kontrolle, kein Lock-in, dafür Setup-Aufwand und Eigen-Verantwortung für Wartung.

Welcher Typ passt zu welchem Betrieb

Eine Daumen-Regel:

Betriebs-ProfilEmpfehlung-Richtung
1–5 Mitarbeiter, einfache ProzesseCloud-Anbieter (ToolTime, plancraft) oder schlankes Open-Source-Setup
6–20 Mitarbeiter, mehrere GewerkeCloud-Anbieter mit mobiler Erfassung, oft kombiniert mit Buchhaltung (SevDesk, lexoffice)
21–50 Mitarbeiter, etabliertes ERP läuftBestehendes ERP behalten, modernen Mobile-Aufsatz dazu
50+ Mitarbeiter, komplexe VertragsverwaltungVollständiges ERP (Streit V.1, OPTIMUS), eventuell mit individueller Anpassung
Compliance-getriebener Betrieb (Datensouveränität wichtig)Open-Source-Stack auf eigenem Server

ToolTime im Detail

ToolTime ist ein Berliner Anbieter, deutsches Unternehmen. Der Fokus liegt auf der mobilen Nutzung — Stundenzettel, Aufmaß, Fotos von der Baustelle, Rechnungen.

Stärken: sehr saubere Mobile-App, klare UX, schnelle Einführung, deutscher Anbieter (kein US-CLOUD-Act-Risiko).

Wo es Grenzen gibt: funktional schlanker als ein Vollwert-ERP, weniger Tiefe in Materialwirtschaft und Lager.

Wann es passt: kleinere Handwerksbetriebe, Heizung-Sanitär-Klima, Maler, Garten- und Landschaftsbau, die mobil arbeiten und keine komplexe Lagerverwaltung brauchen.

plancraft im Detail

plancraft ist in Hamburg ansässig, ebenfalls deutsches Unternehmen. Stärker in der strukturierten Angebots- und Rechnungs-Logik, mit ordentlicher Materialwirtschaft.

Stärken: starke Angebots-Erstellung, gute Material- und Leistungs-Verzeichnisse, deutsches Unternehmen.

Wo es Grenzen gibt: für ganz kleine Betriebe (1–3 Personen) eventuell zu viel Funktion, Lernkurve in der Setup-Phase.

Wann es passt: mittelgroße Handwerksbetriebe mit häufigen Angeboten und Material-Verwaltung.

Klassische ERPs (Streit V.1, OPTIMUS, Label)

Diese Anbieter sind oft seit 15–25 Jahren im Markt. Wer heute einen 30-Mann-Betrieb hat, der seit zehn Jahren mit so einem System arbeitet, sollte den Wechsel nicht leichtfertig betreiben. Migrations-Kosten und Datenverluste können massiv sein.

Stärken: Funktionstiefe, etablierte Prozesse, deutsche Anbieter.

Wo es Grenzen gibt: Mobile- und Cloud-Funktionen sind oft nachgerüstet, nicht von Grund auf gedacht. UX-Stand entspricht häufig den späten 2010er-Jahren.

Häufige Praxis-Lösung: Das ERP bleibt für Buchhaltung und Stammdaten, ein moderner Aufsatz übernimmt mobile Erfassung. Wir bauen die Brücken dazwischen.

Open-Source-Pfad

Wer Datensouveränität an die erste Stelle setzt und einen flexibel anpassbaren Stack will, hat 2026 valide Optionen:

  • CRM: Twenty CRM (TypeScript-basiert, modern), EspoCRM (etabliert, sehr flexibel)
  • Buchhaltung: SevDesk oder lexoffice (Cloud, deutsch) als Anschluss
  • Zeiterfassung: Kimai (Open Source, Schlechtwetter-Modul für Saison-KUG)
  • Dokumenten-Archiv: Paperless-ngx
  • Datei-Speicher: Nextcloud
  • Workflow-Verbindung: n8n als Schaltzentrale

Setup-Aufwand: drei bis sechs Wochen, je nach Tool-Anzahl. Wartung: planbar, aber existent.

Worauf wirklich achten

  1. Wo sitzt der Anbieter? Deutsche oder europäische Anbieter sind 2026 eindeutig die sicherere Wahl als US-Konzerne mit „EU-Servern” — siehe unsere Analyse zum US-Cloud-Risiko.
  2. Wie ist der Daten-Export? Vor der ersten Demo fragen: „Wie kann ich in zwei Jahren wieder weg, falls es nicht passt?” Wenn die Antwort schwammig bleibt, ist das ein Warnsignal.
  3. Welche Schnittstellen sind dokumentiert? API verfügbar? DATEV-Export? Webhook für eigene Workflows?
  4. Was kostet es ehrlich? Pro-Nutzer-Preis, Setup-Kosten, Schnittstellen-Aufpreise, Schulungs-Pakete. Das Sticker-Preisschild ist selten das, was am Ende auf der Rechnung steht.
  5. Wie ist der Support real? Reaktionszeiten erfragen, Bewertungen lesen, vielleicht jemanden anrufen, der die Software seit zwei Jahren nutzt.

Bitkom-Befund

Die Bitkom/ZDH-Studie 2025 zeigt: 81 % der Handwerksbetriebe halten die am Markt verfügbaren Lösungen für überdimensioniert. Das deckt sich mit unserer Beobachtung. Die meisten Betriebe brauchen drei bis fünf gut aufeinander abgestimmte Werkzeuge — nicht eine Suite mit fünfzig Modulen, von denen achtundvierzig brachliegen.

Wie wir bei Heidrich Digital helfen

Wir verkaufen keine Software. Wir machen das Auswahl-Verfahren strukturiert — Anforderungen erfassen, Shortlist, Demos, Entscheidung, Migration. Wenn Sie sich am Ende für ToolTime entscheiden, bekommen wir keinen Cent von ToolTime. Wenn Sie sich für ein Open-Source-Setup entscheiden, machen wir das Setup. Beides ist okay.

Wer ehrliche Beratung sucht: Erstgespräch buchen.

Veröffentlicht am 23. April 2026 · von Till Heidrich.

tooltimeplancraftstreitoptimusopen-source

Sie haben ein konkretes Vorhaben?

30 Minuten Erstgespräch, kostenfrei. Direkt buchen oder schreiben.